Still für Viola und Kammerorchester (2002)

25′
Auftragswerk des Stuttgarter Kammerorchesters und der Internationalen Stiftung Mozarteum
UA: 02.02.2003, Salzburg (AT), Mozartwoche Salzburg | Kim Kashkashian (Viola), Dennis Russell Davies (Dirigent), Stuttgarter Kammerorchester


Ruhig fließend – schneller, attacca
Ruhig fließend – schnell – ruhig fließend

Besetzung
Viola solo – Str. (6/5/4/3/2) – Klav. (Steinway D)


Programmnotiz
Die Besetzung umfasst ein „normales“ Streichorchester, ein Klavier, das als Schlagzeug fungiert, sowie die Solo-Viola. Das Stück wird über weite Strecken von einem Orgelpunkt geprägt – eine Erscheinung, die ich schon bei einigen meiner letzten Stücke beobachten konnte. Gegen Ende des Stücks wird dieser tonal stabilisierende Zustand verlassen, der Ton fis, eben der Orgelpunkt, wird funktionalisiert und als Dominante h begriffen, bzw. fis-Moll wird als fünfte Stufe von h-Moll begriffen. Die Umspielung des Orgelpunkts, seine Infragestellung, die Rückkehr dorthin – das alles wird wesentlich vom Soloinstrument initiiert und getragen. Der tonal über weite Strecken statische Zustand provoziert rhythmische Entwicklungen, die das Stück vorantreiben. am Ende erklingt das Motiv des Anfangs wieder, tonal und klanglich umgedeutet, wodurch sich quasi das Ende einer Reise ergibt.

Der Titel „Still“ bezieht sich wesentlich auf den Begriff „video-still“, ein „eingefrorenes“ Bild aus einem Videofilm, verändert, bearbeitet oder auch nicht. Das Interessante an den „video-stills“ sind meistens die Details, die Muster, die man beobachten kann und die man im bewegten Zustand natürlich nicht bzw. ganz anders wahrnimmt. Dementsprechend geht es in dem Stück auch um Stillstand und Bewegung. Es geht aber auch um Introspektion und Aktivität. Still heißt aber natürlich auch Stille – und gerade die Stille ist ein Begriff, den ich sehr mit der Viola assoziiere.

Thomas Larcher, zitiert nach: Mozartwoche 2003, Programmheft