Das Jagdgewehr (2016–18)

Oper in 3 Akten. Libretto von Friederike Gösweiner nach der Novelle von Yasushi Inoue
Deutsche Fassung nach der Übersetzung von Oscar Benl
102′
Auftragswerk der Bregenzer Festspiele
UA: 15.08.2018, Bregenz (A), Werkstattbühne | Michael Boder? (Dirigent), Ensemble Modern, Schola Heidelberg, Karl Markovics? (Regisseur), Katharina Wöppermann? (Bühne & Kostüme), Bernd Purkrabek (Lichtregie), Walter Nußbaum? (Chorleitung) | cast: Poet (Robin Tritschler?), Josuke Misugi (Andrè Schuen?), Shoko (Sarah Aristidou?), Midori (Giulia Peri?), Saiko (Olivia Vermeulen?)


Orchesterbesetzung
1(pic).1(ca).1(Ebcl, bcl, cbcl).1(cbsn)-1.1.1.0-2perc(timp, 2glsp, xyl, 2mar, 2vib, steel pans, tub bells, 4crot, b.d., ten.d, Indian drum, O-daiko, caisse claire, sm military drum, Frame drum, Bongo, 5templeblks, cowbell, oil barrel, 2 thundersheets, 2tam-tams, 6sus cym, Chinese cym, 2woodblks, 2sus paper, sandblks, whip, sm biscuit tin, vibraslap, ratchet)-cimbalom.acc.prepared pno(cel)-str(1.1.1.1.1)

Personenbesetzung
Shoko (soprano) – Midori (soprano) – Saiko (mezzo-soprano) – Dichter (tenor) – Josuke Misugi (baritone) – chorus (7 singers: SSMezATBarB)


Programmnotiz
Als ich Das Jagdgewehr das erste Mal las, war ich sofort von ihrer Zeitlosigkeit gefangen genommen. Sie verhandelt Fragen, die absolut jeder, der Beziehungen zu anderen Menschen hat – also auch ich selbst – durchlebt und nachvollziehen kann: bleiben oder gehen, aussprechen oder verschweigen, festhalten oder ziehen lassen. Es geht um die Illusionen, die wir in praktisch jeder unserer Beziehungen aus verschiedenen Gründen aufrechterhalten. Und um die letztlich tiefe Einsamkeit, in die jedes menschliche Wesen geworfen ist.

Drei Frauen, jede auf ihre Art Betrügerin und Betrogene, beschreiben in Briefen aus ihren ganz unterschiedlichen Blickwinkeln die Beziehung zu einem Mann, dem Besitzer des titelgebenden Jagdgewehres. Dieser taucht auf rätselhafte Weise im Leben des erzählenden Dichters auf und gibt den äußeren Anstoß für die Niederschrift der Ereignisse.

Unter der scheinbar ruhigen Handlung übernimmt es die Musik zu sagen, welche Stürme in den handelnden Personen toben, mikroskopisch fein leuchtet sie deren Empfindungen aus. Wie so viele japanische Texte besitzt auch Das Jagdgewehr eine ritualhafte Seite, der ich in meiner Oper mit einer an Passionen erinnernden Anlage folge. Der Klang der solistisch besetzten Instrumente wird durch die sieben Choristen in den Raum hinein erweitert.
Thomas Larcher