THOMAS LARCHER – Komponist, Pianist

„Thomas Larcher zählt zu den prägnantesten kompositorischen Persönlichkeiten innerhalb der europäischen Musikszene.“
Neue Zeitschrift für Musik

„Larcher steht für ehrliche, authentische Musik. (…) Dieser Komponist bereichert und erstaunt, er ist Utopist und trotzdem immer auch Realist. An ihm ist kein Kalkül, null Inszenierung.“
Manuel Brug, profil

Thomas Larcher gilt als einer der einfallsreichsten und interessantesten Stimmen unter den zeitgenössischen Komponisten. Larcher, Jahrgang 1963, wuchs in Tirol auf und studierte in Wien Komposition und Klavier. Heute ist er ein vielfach ausgezeichneter Komponist und Pianist, dessen Musik international als innovativ und fesselnd zugleich gefeiert wird, die sich gekonnt im Spannungsfeld von experimentellen Spieltechniken und bewussten Rückgriffen auf Traditionen bewegt.

Larchers frühe Werke setzen sich intensiv mit dem eigenen Instrument und dessen Klang auseinander. Mit Kompositionen wie Naunz für Klavier (1989), Kraken für Violine, Violoncello und Klavier (1994/95), Mumien für Violoncello und Klavier (2001) setzte er neue Maßstäbe in der Klavierliteratur. Mit den drei Streichquartetten Cold Farmer (1990), IXXU (1998–2004) und Madhares (2006/07) setzte Larcher seinen musikalischen Weg als Grenzgänger der Stile, der bewusst auch neben den orthodoxen Pfaden der sogenannten Avantgarde wandelt, fort. Larchers Streichquartette zeichnen sich durch eine höchst originelle Klanglichkeit aus, die oftmals aus erweiterten Spieltechniken resultieren.

Den Reichtum orchestraler Klangfarben begann Larcher zunächst mit den Solokonzerten Still für Viola und Kammerorchester (2002), Böse Zellen für Klavier und Orchester (2006) und dem Konzert für Violine und Orchester (2008) zu erforschen. Sein erstes großes Orchesterwerk Red and Green wurde 2011 vom San Francisco Symphony Orchestra unter der Leitung von Osmo Vänskä uraufgeführt. Im selben Jahr folgte in der Royal Albert Hall anlässlich der BBC Proms die Premiere des Konzerts für Violine, Violoncello und Orchester mit Viktoria Mullova und Matthew Barley unter der Leitung von Ilan Volkov.

Larchers besonderes Interesse für die Singstimme belegen Werke für Ensemble und Orchester wie My Illness Is The Medicine I Need für Sopran und Klaviertrio (2002), ein vielgespieltes Werk, das inzwischen auch von Larcher für Sopran und Ensemble arrangiert wurde, oder Die Nacht der Verlorenen (2008), für den Bariton Matthias Goerne und die London Sinfonietta geschrieben. 2014 wurde A Padmore Cycle, ursprünglich als Liederzyklus für den Tenor Mark Padmore und Klavier konzipiert, in einer zweiten Fassung für Tenor und Orchester neu komponiert und vom BBC Symphony Orchestra unter Edward Gardner 2014 uraufgeführt.

Auch Thomas Larchers erste Symphonie Alle Tage (2010–15) ist für Stimme und Orchester geschrieben und wurde 2015 von Matthias Goerne und Jaap van Zweden und dem Radio Filharmonisch Orkest im Concertgebouw Amsterdam und Christoph Eschenbach und dem Gewandhausorchester in Leipzig uraufgeführt. Larchers zweite Symphonie Kenotaph (2015–16), ein Auftragswerk der Österreichischen Nationalbank zu ihrem 200jährigen Bestehen, wurde 2016 von den Wiener Philharmonikern unter Semyon Bychkov uraufgeführt.

Während Thomas Larcher mit lucid dreams (2015), entstanden für das Belcea Quartet und deren 20-Jahr-Jubiläum, seine Vorliebe für das Streichquartett als kammermusikalische Form wieder aufgriff, setzte er mit Chiasma (2017), das anlässlich von Andris Nelsons Amtsantritt als Kapellmeister des Leipziger Gewandhausorchesters uraufgeführt wurde, seine Beschäftigung mit den Möglichkeiten eines orchestralen Klangkörpers, der in Larchers Musik häufig neben Klavier und Akkordion auch ein großes perkussives Element enthält, fort.

Musikalisches Neuland betrat Thomas Larcher 2018: Seine erste Oper Das Jagdgewehr (2016–18) nach dem Libretto von Friederike Gösweiner basierend auf der deutschen Übersetzung von Oscar Benl der gleichnamigen Erzählung von Yasushi Inoue wurde als Auftragswerk der Bregenzer Festspiele im August 2018 in der Inszenierung von Karl Markovics uraufgeführt.

Thomas Larcher wurde für sein Werk vielfach ausgezeichnet. So erhielt er neben dem British Composer Award (International Category) 2012 etwa 2015 den Elise L. Stoeger Prize 2014/15 der Chamber Music Society of Lincoln Center, der alle zwei Jahre als Auszeichnung herausragender Leistungen im Bereich der Kammermusikkomposition vergeben wird, sowie ebenfalls 2015 den Österreichischen Kunstpreis für Musik. 2018 wurde er mit dem Ernst-Krenek-Preis der Stadt Wien ausgezeichnet.
Als Composer in Residence erhielt Larcher unter anderem Einladungen zu den Festivals in Davos, Heimbach, Risör, Mondsee und Bantry sowie vom Mozarteum Orchester Salzburg, dem Wiener Konzerthaus und der Londoner Wigmore Hall.

Die drei ECM-CDs Naunz (2001), IXXU (2006) und Madhares (2010) sowie die CD What Becomes (2014) auf harmonia mundi dokumentieren Thomas Larchers bisheriges kompositorisches Schaffen. Seine Aufnahmen wurden mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik, dem Choc de la musique, dem Choc de Classica und dem Diapason d’or.

Larcher genießt auch als Pianist höchstes Ansehen. Sein Repertoire ist breit und reicht von einer Schubert/Schönberg CD auf ECM bis zur Liedbegleitung mit Partnern wie Mark Padmore in Schuberts Schwanengesang oder Matthias Goerne, mit dem er zuletzt 2014 die vielfach preisgekrönte CD Hanns Eisler: Ernste Gesänge. Lieder with piano (harmonia mundi) eingespielt hat.

In den letzten Jahren hat Larcher auch zu dirigieren begonnen. So hat er u. a. mit dem Münchener Kammerorchester, dem Mozarteumorchester, der Niederländischen Radio Kamerfilharmonie und mit Solisten wie Isabelle Faust oder Igor Levit zusammengearbeitet.

1994 gründete Larcher in Schwaz in Tirol das Festival KLANGSPUREN, das heute zu den renommiertesten europäischen Festivals für Neue Musik zählt und dessen künstlerischer Leiter er bis 2003 blieb. 2004 gründete er das Kammermusikfestival MUSIK IM RIESEN, das jährlich im Mai in den Swarovski Kristallwelten in Wattens stattfindet, das er auch heute noch programmiert.

Thomas Larchers Werke erscheinen bei Schott Music London.

August 2018

 

„… a highly unique listening experience with a perfectly valid aesthetic of beauty … my only regret was having but one opportunity to experience this stunning music.“
Stephen Smoliar, San Francisco Examiner, about Red and Green (2010)

„Larcher’s writing fits Padmore’s voice like a glove, erasing its register breaks, showcasing its purity of sound and flexibility.“
Tim Ashley, The Guardian, about A Padmore Cycle (2010–11, 2014)