THOMAS LARCHER – Komponist, Pianist

„Thomas Larcher zählt zu den prägnantesten kompositorischen Persönlichkeiten innerhalb der europäischen Musikszene.“
Neue Zeitschrift für Musik

„Larcher steht für ehrliche, authentische Musik. (…) Dieser Komponist bereichert und erstaunt, er ist Utopist und trotzdem immer auch Realist. An ihm ist kein Kalkül, null Inszenierung.“
Manuel Brug, profil

Thomas Larcher gilt als einer der einfallsreichsten und interessantesten Stimmen unter den zeitgenössischen Komponisten. Larcher, Jahrgang 1963, wuchs in Tirol auf und studierte in Wien Komposition und Klavier. Heute wird er international als Komponist, Pianist und Intendant gefeiert. Seine Musik ist innovativ und fesselnd zugleich und bewegt sich gekonnt im Spannungsfeld von experimentellen Spieltechniken und bewussten Rückgriffen auf Traditionen.

Neue Werke, die in der Saison 2015/16 uraufgeführt werden, sind das vierte Streichquartett Lucid Dreams (2015) für das Belcea Quartet anlässlich seines 20-Jahr-Jubiläums (Aufführungen in London, Wien, Berlin, Luxemburg, Grenoble), das Cellokonzert Ouroboros (2015) für Jean-Guihen Queyras (Aufführungen in Amsterdam, Lausanne, München, Wien, Oslo, Orebro und Hongkong) und ein Orchesterstück für die Wiener Philharmoniker und Semyon Bychkov, das am 3. Juni im Wiener Musikverein uraufgeführt wird.

Larchers frühe Werke setzen sich intensiv mit dem eigenen Instrument und dessen Klang auseinander. Mit Kompositionen wie Naunz für Klavier (1989), Kraken für Violine, Violoncello und Klavier (1994/95), Mumien für Violoncello und Klavier (2001) setzte er neue Maßstäbe in der Klavierliteratur. Mit den drei Streichquartetten Cold Farmer (1990), IXXU (1998–2004) und Madhares (2006/07) setzte Larcher seinen musikalischen Weg als Grenzgänger der Stile, der bewusst auch neben den orthodoxen Pfaden der sogenannten Avantgarde wandelt, fort. Larchers Streichquartette zeichnen sich durch eine höchst originelle Klanglichkeit aus, die oftmals aus erweiterten Spieltechniken resultieren.

Den Reichtum orchestraler Klangfarben begann Larcher mit den Solokonzerten Still für Viola und Kammerorchester (2002), Böse Zellen für Klavier und Orchester (2006) und dem Konzert für Violine und Orchester (2008) zu erforschen. Sein erstes großes Orchesterwerk Red and Green, dessen zwei Sätze mit komplementären Klangfarben spielen, wurde 2011 vom San Francisco Symphony Orchestra unter der Leitung von Osmo Vänskä uraufgeführt. Im San Francisco Examiner beschreibt Stephen Smoliar Red and Green als „a highly unique listening experience with a perfectly valid aesthetic of beauty … my only regret was having but one opportunity to experience this stunning music.“
Noch im selben Jahr folgte in der Royal Albert Hall anlässlich der BBC Proms die Premiere des Konzerts für Violine, Violoncello und Orchester mit Viktoria Mullova und Matthew Barley unter der Leitung von Ilan Volkov, für das Larcher 2012 bei den British Composer Award (International Category) gewann.

Larchers besonderes Interesse für die Singstimme belegen Werke für Ensemble und Orchester wie My Illness Is The Medicine I Need für Sopran und Klaviertrio (2002), ein vielgespieltes Werk, das inzwischen auch von Larcher für Sopran und Ensemble arrangiert wurde, Heute für Sopran und Orchester (2005) und Die Nacht der Verlorenen (2008), für den Bariton Matthias Goerne und die London Sinfonietta geschrieben.
2014 wurde A Padmore Cycle, ursprünglich als Liederzyklus für Tenor und Klavier konzipiert, in einer zweiten Fassung für Tenor und Orchester neu komponiert und vom BBC Symphony Orchestra unter Edward Gardner im November 2014 uraufgeführt. Eine Aufführung in München ist für 2016/17 angesetzt. Über die Orchesterversion schreibt Tim Ashley im Guardian: „Larcher’s writing fits Padmore’s voice like a glove, erasing its register breaks, showcasing its purity of sound and flexibility.“
Alle Tage – Symphonie für Bariton und Orchester (2010–15) wurde 2015 von Matthias Goerne und Jaap van Zweden und dem Radio Filharmonisch Orkest im Concertgebouw Amsterdam und Christoph Eschenbach und dem Gewandhausorchester in Leipzig uraufgeführt.

Als Composer in Residence erhielt Larcher unter anderem Einladungen zu den Festivals in Davos, Heimbach, Risör, Mondsee und Bantry sowie vom Mozarteum Orchester Salzburg, dem Wiener Konzerthaus und der Londoner Wigmore Hall.

2015 erhielt Thomas Larcher den alle zwei Jahre verliehenen Elise L. Stoeger Prize 2014/15 der Chamber Music Society of Lincoln Center, der alle zwei Jahre als Auszeichnung herausragender Leistungen im Bereich der Kammermusikkomposition vergeben wird sowie den Österreichischen Kunstpreis für Musik.

Die drei ECM-CDs Naunz (2001), IXXU (2006) und Madhares (2010) sowie die CD What Becomes (2014) auf harmonia mundi dokumentieren Thomas Larchers bisheriges kompositorisches Schaffen. Seine Aufnahmen wurden mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik, dem Choc de la musique, dem Choc de Classica und dem Diapason d’or.

Larcher genießt auch als Pianist höchstes Ansehen. Sein Repertoire ist breit und reicht von einer Schubert/Schönberg CD auf ECM bis zur Liedbegleitung mit Partnern wie Mark Padmore in Schuberts Schwanengesang oder Matthias Goerne, mit dem er zuletzt 2014 die vielfach preisgekrönte CD Hanns Eisler: Ernste Gesänge. Lieder with piano (harmonia mundi) eingespielt hat.

In den letzten Jahren hat Larcher auch zu dirigieren begonnen. So hat er u. a. mit dem Münchener Kammerorchester, dem Mozarteumorchester, der Niederländischen Radio Kamerfilharmonie und mit Solisten wie Isabelle Faust oder Igor Levit zusammengearbeitet.

1994 gründete Larcher in Schwaz in Tirol das Festival KLANGSPUREN, das heute zu den renommiertesten europäischen Festivals für Neue Musik zählt und dessen künstlerischer Leiter er bis 2003 blieb. 2004 gründete er das Kammermusikfestival MUSIK IM RIESEN, das jährlich im Mai in den Swarovski Kristallwelten in Wattens stattfindet, das er auch heute noch programmiert.

Thomas Larchers Werke erscheinen bei Schott Music London.

Januar 2016


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